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Rückblick 2002

                                                                                                                   Hamburg, den 31.12.2002

Hamburger Taxi-Rückblick 2002

Blick zurück im Zorn?!

Der Jahresrückblick 2002, ein Rückblick der aus Hamburger Sicht auf die Bundesrepublik gerichtet ist. Wir hätten gerne mehr positive Aspekte zusammengefasst, aber leider fehlten uns irgendwie die Ansatzpunkte dafür.
So scheint dieser Spruch angemessen:
“Vom Himmel kam eine Stimme die da sprach: lächele und sei froh; es hätte auch schlimmer kommen können. Ich lächelte, ich war froh und es kam schlimmer!“

Aber lest selbst unsere kleine Zusammenfassung des vergangenen Jahres, die wir leider nicht ganz ohne Wertung halten konnten. Es besteht natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit denn wir haben z.B. Versammlungen ohne Wahlen nicht unbedingt erwähnt, da sonst doch der Rahmen, bei mittlerweile 7 Verbänden, mehr als gesprengt würde.

Leider sind auch in diesem Jahr wieder viele Kollegen bei der Ausübung ihres Berufes durch Gewalt ums Leben gekommen. Unsere Trauer und unser Mitgefühl gehört den Familien, Angehörigen dieser Kollegen. Wir möchten daher aus gegebenen Anlass auf die Taxistiftung Deutschland hinweisen, welche die Hinterbliebenen in ihrer Not zumindest finanzielle Entlastung bietet.

Taxistiftung Deutschland
Stiftungskonto:
Landesgirokasse Stuttgart
BLZ: 600 501 01
Konto-Nr.: 242 77 77



Januar 2002:

Eurostart: Mit dem 1.Januar wurde die Doppelbargeldphase eingeführt und neben der guten alten DM konnte auch mit dem Euro bezahlt werden. Trotz aller Bedenken lief die Einführung des Euro jedoch reibungslos ab.

Taxitarif: Die Tarifnachbesserung des Hamburger Taxitarifes, die am 1.Januar in Kraft getreten war, enttäuschte viele Kollegen und entpuppte sich Angesichts der Kostensteigerung auf der einen Seite und der Verängstigung des Kunden vor dem Euro auf der anderen Seite als reine Augenwischerei, da eine Anhebung um umgerechnet 0,90 DM in der Grundgebühr bei verringertem Tourenaufkommen nicht ansatzweise die Teuerungsrate aufzufangen vermochte.

Februar 2002:

Hamburger Bürgerschaft: Am 6.Februar wurden in der Bürgerschaft einige Anträge angenommen, die sich für das Hamburger Taxigewerbe zukünftig positiv auswirken können, jedoch ist es doch ein langer Weg bis zu der Umsetzung. (siehe Oktober)

März 2002:

Abschied von der DM: Am 1.März hieß es Abschied nehmen von der guten alten DM.
An diesem Tage endete die Doppelbargeldphase und seitdem galt nur noch der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel.

Anhörung im Hamburger Rathaus: Am 26.März fand eine öffentliche Anhörung im Hamburger Rathaus statt, die sich im Hauptaugenmerk mit dem Thema Beobachtungszeitraum, Taxifahrerprüfung und Taxitarif beschäftigte.
Als Auskunftspersonen wurden wie folgt eingeladen:
 
1. Peter Kaufmann, Gewerkschaft Verdi, Hamburg
2. Wolfgang Wruck, Innung des Berliner Taxigewerbes
3. Bürgermeister Jürgen Beck, Stuttgart
4. Günter Dorigoni, Handelskammer Hamburg, Leiter Abtl. Tourismus und Verkehrsgewerbe
5. Joachim Püttmann, LPVG (Rothenbaumchaussee)
6. Gerhard Christ, LHT (Süderstr)
7. Alexander Lux, (Verband der Taxi-Mehrwagenunternehmer)
8. Willy Imbeck, IHT (Interessengemeinschaft Hbg. Taxiunternehmer)
9. Touraj Pashai, TVH (Taxiverband Hamburg)
10. Martin Berndt, HTV (Hamburger Taxenverband)
11. Alexander Haschemi, Unternehmensberater, Hamburg
12. Hans-Jürgen Maass, taxiforum.de
13. Dr. Daniel Frank, Institut für Recht und Wirtschaft an der Uni Hbg.
14. Arno Reglizky, Präsident des ADAC Hansa, Hamburg
15. Robert Klip, Amtsleiter im Amt für Öffentliche Ordnung der Stadt Köln

Plenumwahlen IHK: Ebenfalls im Monat März wurden die Wahlen zum Plenummitglied der Handelkammer Hamburg entschieden und Herr Püttmann, erster Vorsitzender des LPVG, musste eine überraschende Niederlage hinnehmen. Sein Gegenkandidat Herr Thomas Lohse vom Hansa Funk wurde von der Mehrheit der Wahlinteressierten gewählt.

April 2002 :

Taxitag Leipzig: Zum sechsten mal fand auf der AMI in Leipzig die Taxitag statt. Dieser Tag erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit und die Aussteller verzeichneten eine positive Resonanz. Alle Beteiligten waren sich über den Erfolg einig und nahmen sich vor sich am 08.04.2003 nochmals zu übertreffen. Beide Bundesverbände, der TVD und der BZP, hatten auf dieser Messe Infostände aufgebaut

Tag des Taxigewerbes Hamburg: Am 23.April fand in der IHK, nach 5 Jahren ohne nennenswerter Verbesserungen für das Taxigewerbe, der zweite Tag des Hamburger Taxengewerbes statt. Die Veranstalter versuchten bei dieser Veranstaltung erneut die Einkommensmisere des Hamburger Taxigewerbes lediglich auf die Problematik Dienstleistung und Qualität zu beschränken. Es gab jedoch wieder keinen verwert- oder umsetzbaren Konsens über Änderungen, welche die Lage verbessern könnten.

Mai 2002:

Taxicenter: Feierliche Eröffnung des Taxi Auto Center Hamburg in der Sportallee 72 mit live Auftritt der „Geff Harrison Band“, der „Michaell Driftwood All Stars Band“ und einer Show-Einlage der Sängerin „Jane“, so wie einer Ausstellung namhafter Automobilhersteller, unter anderem mit der vorab Präsentation des neuen Mazda 6. Nur wenige Wochen später eröffnete ein zweites Hamburger Taxicenter im Stadtteil Alsterdorf mit einem ähnlichem Programm, nur ohne Live-Musik.

Taxiwerbung: Nach jahrelangen Querelen mit den Hamburger Behörden und gegen den Widerstand einiger Gewerbevertreter, gingen die Dachwerbeträger der Firma Taxi-AD nun endlich auch in Hamburg erfolgreich an den Start. Dies hatte zur Folge, dass einige „Gewerbevertreter“ ankündigten, sie rasch verbieten zu wollen.

Juni 2002:

LPVG: Am 25. Juni fand die Jahreshauptversammlung des LPVG statt. Nach dem vorzeitigen Rücktritt mehrerer Vorstandmitglieder ging es auf der Versammlung, wie bereits schon in den Vorjahren, recht turbulent zu. Nachdem die Mitglieder mit überragender Mehrheit ein Misstrauensvotum gegen den Hansa Genossen Dirk Schütte zustimmten, nahm dieser letztendlich seinen Hut. Karl-Heinz Neugebauer wurde zum neuen 2. Vorsitzenden gewählt. Diese Stelle war nach dem Rücktritt von Günter Grussendorf vakant.

Juli 2002:

Der Katastrophenmonat:
Eine große Flutkatastrophe erschütterte Deutschland und
der Bundesverband TVD rief einen Monat später zu einer Spendenaktion auf.

7.Taxiverband: Im gleichem Monat erkor die Hansa Funk e.G. ihren hauseigenen Verband und zum Leid des Hamburger Taxigewerbes wurde damit den 7. Hamburger Taxiverband gegründet. Ob es einen Bedarf gab sei dahin gestellt. Hätte man sich nicht in einem der,
eh schon zu vielen anderen Verbände einbringen können?

August 2002:

Sommerloch: Das große Sommerloch bescherte den Kollegen einen finanziellen Umsatzeinbruch ins nahezu unvorstellbare. Zukunftsängste machten sich immer mehr breit im Hamburger Taxigewerbe.

September 2002:

Hamburger Taxi Info: Unter dem Slogan „Das Tor zu Hamburgs Taxiwelt“ nimmt das Taxiportal der Hamburger Taxi Info seinen Betrieb auf. Hier können Taxifahrer wie Taxikunden sehr viel über das Taxigewerbe erfahren. Eine Nominierung für den Taxiaward des Taxiportals sprechen für sich.

Taxidemo: In Berlin fand am 12. September eine Taxidemo des TVD unter dem Motto,
„Das Taxigewerbe kämpft für soziale Gerechtigkeit“ mit fast 1500 Teilnehmern aus der gesamten Bundesrepublik statt.

Wahlen 2002: Die Bundestagswahlen verliefen mit sehr knapper Mehrheit für Rot/Grün.

Oktober 2002:

Tarif: In Sachen Hamburger Taxitarif fand am 2.Oktober vor der 5.Kammer des Verwaltungsgerichtes eine Verhandlung statt, bei der entschieden wurde, dass eine Feststellungsklage zulässig ist. Kurz vor Ablauf der Widerspruchsfrist legte die Baubehörde gegen das Urteil jedoch Berufung ein, was wiederum zur Verzögerung der gesamten Angelegenheit führt.

Bundesverdienstkreuz: Am 08.Oktober wurde dem ersten Vorsitzenden des Bundesverbandes TVD, Herrn Peter Kristan für sein langjähriges Engagement im Taxigewerbe, trotz des üblen gepolteres anderer „Gewerbevertreter“, das Bundesverdienstkreuzes verliehen. Eine Auszeichnung die vor ihm auch Heinz Peter erhielt, so das der TVD,
im Gegensatz anderer Vertretungen des Taxigewerbes, nun schon zwei hochdekorierte Vertreter in seinen Reihen hat.

Frust: Der Frust über die Bundesregierung ist riesig und zeitgleich erfreut sich der Steuersong von Elmar Brandt in der Bevölkerung einer immer größeren Beliebtheit und erobert die deutschen Charts.

Politik: Nach vielen Jahren Blockadepolitik wurden die Aufsichtpflichten vom neuen Senat endlich wahrgenommen und die folgende Meldung ließ bei vielen Hamburger Kollegen wieder Hoffnung aufkommen, denn am 30. Oktober hatte die Hamburger Bürgerschaft den folgenden Antrag angenommen:

Der Bau- und Verkehrsausschuss empfiehlt der Bürgerschaft zu beschließen:
...................................................................................

Die Bürgerschaft ersucht den Senat,

1. zur Vorbereitung der Entscheidung über die Einrichtung eines Beobachtungszeitraums die erforderlichen Prüfungen einzuleiten und ggf. die entsprechenden Gutachten in Auftrag zu geben.

2. alle erforderlichen Schritte einzuleiten, um die Qualität der Beförderung sicherzustellen und für (Steuer-) Ehrlichkeit im Taxengewerbe zu sorgen. Dazu gehört:

- dafür zu sorgen, dass im Rahmen der Taxifahrerprüfung auch Sprachkenntnisse geprüft werden,
- dass der Fahrer durch eine Testfahrt praktische Ortskenntnisse nachweisen muss,
- dass zwischen einer nicht bestandenen Prüfung und einer Wiederholungsprüfung eine angemessene Mindestzeit liegen muss und
- dass die Möglichkeit der Prüfungswiederholung insgesamt begrenzt wird.

- durch Intensivierung von Taxikontrollen für bessere Beachtung der Vorschriften zu sorgen, und zu prüfen, ob regelmäßige Nachprüfungen im 5-Jahres-Rhythmus oder bei häufigen Kundenbeschwerden eingeführt werden können,

- geeignete Schritte zu ergreifen, die die Wahrnehmung der Kundenrechte erleichtern und die Beschwerdemöglichkeiten der Fahrgäste verbessern,

- mit den Verbänden des Gewerbes und der Handelskammer Gespräche zur Einführung eine Qualitätsstandards für Taxis, welcher durch eine Plakette am Fahrzeug sichtbar gemacht werden soll, aufzunehmen,

- zu prüfen, ob durch die Einführung von Fiskaltaxametern Missbrauchs- und Umgehungstatbestände verringert werden können,

- eine eingehende Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des jeweiligen Taxenunternehmens bei Anträgen auf Konzessionsverlängerung- und Erweiterung.

3. die Kooperation zwischen Öffentlichem Personennahverkehr und dem Taxengewerbe auszuweiten, indem in den Schwachlastzeiten des ÖPNV verstärkt Anruf-Sammel-Taxis oder auch Linientaxis eingesetzt werden und indem auf Wunsch des Fahrgastes durch den Busfahrer ein Taxi an eine Bushaltestelle gerufen werden kann. In diese Kooperation können nur solche Taxiunternehmen aufgenommen werden, die sich zur Einhaltung von Qualitätsstandards verpflichtet haben.

4. weitere Busspuren für Taxen freizugeben.

5. die Taxenstandsbenutzungspflicht von 20.00 bis 07.00 Uhr und bei Großveranstaltungen aufzuheben,

6. der Bürgerschaft jährlich zum Jahresende über die bis dahin getroffenen Maßnahmen zu berichten.

Anmerkung: Nun wächst die Spannung in welchem Rückblick wir die weitere Entwicklung vermerken dürfen.

November 2002 :

Der Flop:
Der wahrscheinlich größte Flop des Jahres wurde dem Taxigewerbe Anfang November präsentiert: Wieder einmal sollten Hamburgs Taxifahrer auf freiwilliger Basis Beschwerdeformulare bei sich führen und ihre Fahrzeuge mit einem entsprechenden Aufklebern kennzeichnen.

Europäische Taximesse: Am 8./9.November fand die europäische Taximesse in Köln statt. Leider fand auch diese Messe wieder ohne die unabhängige Taxipresse statt, nachdem der Messeveranstalter dem Taximagazin Berlin und dem Ventil München auf der letzten Messe Hausverbot androhten. Auch scheint die Resonanz unter den Fachbesuchern zu sinken.
Wir hoffen jedoch unter der neuen Führung in Köln auf Besserung, denn es wäre Schade irgendwann ohne diese Messe auskommen zu müssen.

Kindersitzverordnung: Zur Freude des deutschen Taxigewerbes, wurde am 29.November
die Verordnung zur Verlängerung der Kindersicherungsregelung in Taxifahrzeugen bis zum Ende des Jahres 2005 verkündet und trat mit Datum des 02.12.2002 in Kraft.

Dezember 2002:

Weihnachtsgeschäft: Erhebliche Umsatzverluste im erhofften Weihnachtsgeschäft sorgten für weiteren Frust und Unmut unter den Kollegen. Es werden bei den etablierten Taxiverbänden wieder mehr Austritte wie Eintritte zu verzeichnen sein, aber es wird wieder einmal niemanden beunruhigen oder gar zu Ursachenforschungen animieren.
So war es ja jedes Jahr und man kann ja auch ohne Mitglieder, und das ist leider die Einstellung einiger etablierter Gewerbevertreter, viel ruhiger arbeiten.

Dennoch, die Hoffnung stirbt zuletzt und wir wünschen allen Kollegen ein gesundes und  unfallfreies (und wenn, dann nur bezahlte ohne Personenschäden) sowie allen Politikern und Funktionären ein, in Ihren Entscheidungen für das Gewerbe, glückliches Jahr 2003.

Wir würden uns im nächsten Jahr über reichlich positive , im Sinne des Gewerbes, getroffenen Entscheidungen freuen, um den nächsten Jahresrückblick noch interessanter und freundlicher gestalten zu können.

Das TACH Team

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